Manfred ist frustriert

© Sabine Kubitza

Die folgende Anekdote ist frei erfunden! Eventuelle Ähnlichkeiten mit Personen haben keine Bedeutung!

 

„Schon wieder Stau. Mist!“, denkt Manfred und tritt auf die Bremse, während er gleichzeitig das Warnblicklicht einschaltet. In letzter Zeit häuft sich der Verkehr auf seinem Arbeitsweg und das nervt ihn. Er schaltet das Radio ein und sucht einen Sender, auf dem Musik nach seinem Geschmack läuft. Gar nicht so einfach. Ah, jetzt. Manfred summt das Lied mit und seine Laune verbessert sich zusehends. Seine Finger tippen im Rhythmus auf das Lenkrad, der Fuß neben dem Kupplungspedal. Als das Lied endet, wartet er gespannt darauf was man wohl als nächstes spielen würde und wird prompt enttäuscht als der Moderator anfängt irgendwelche Geschichten zu erzählen. Das hat gerade noch gefehlt. Fruchtloses Gerede anstelle von aufmunternder Musik. Genervt will Manfred gerade einen Sender weiterschalten als er aufhorcht. 

Der Moderator erzählt von einem Lokalrätsel seiner Umgebung und verspricht schöne Preise, wenn man die Frage richtig beantworten könne. Da Manfred gelangweilt und genervt ist und außerdem noch nie etwas gewonnen hat, beschließt er anzurufen. Er tippt die angesagte Nummer in das Handy, welches in der Freisprecheinrichtung vor ihm steckt, und wartet. Manfred glaubt nicht daran, dass er durchkommen wird, umso überraschter ist er als sich der Moderator meldet und er sich live im Radio seinen Namen sagen hört.

„Herzlich Willkommen zu unserem Lokalrätsel, Manfred. Dann beantworten Sie bitte meine Frage: Wie war der Familienname der Erbauer von Schloss Burg?“

Manfred braucht nicht lange überlegen.

„Das war die Grafenfamilie von Berg. Da bin ich mir sicher.“

Aufgeregt wartet er auf die Bestätigung des Moderators. Wie es aussieht hat er zum ersten Mal in seinem Leben etwas bei einem Gewinnspiel gewonnen. Der Morgen wird immer besser, sogar der Stau, der immer noch anhält, kann seine Laune nicht trüben.

„Manfred, ich muss Ihnen sagen… das war RICHTIG! Herzlichen Glückwunsch!“

„Jawoll! Mein erster Gewinn. Ich danke Ihnen. Was habe ich denn gewonnen?“

„Sie haben einen wunderbaren Preis gewonnen. Er besteht aus mehreren Teilen. Sie reisen in das schöne Wuppertal und wohnen dort im Hotel Rosenhaus. 5 Tage mit Vollpension. Ist das nicht toll, Manfred?“

Entsetzt schaut der angesprochene sein Handy an. Hatte er richtig gehört? Wuppertal? Hotel Rosenhaus? Das durfte doch nicht wahr sein.

„Äh, ja toll.“

„Nanu, das klingt aber nicht begeistert. Kennen Sie Wuppertal schon?“

Manfred räuspert sich: „Ja, ich wohne dort, und das Hotel gehört meinen Eltern.“

Betroffenes Schweigen. Nach einer Weile versucht es der Moderator erneut.

„Manfred, nehmen Sie es nicht so schwer. Das war ja noch nicht der ganze Preis. Sie haben auch noch zwei Freikarten für den Wuppertaler Zoo gewonnen. Na, wie ist das?“

Frustriert tippt Manfred auf sein Lenkrad.

„Ich besitze eine Jahreskarte für den Zoo, da ich am Wochenende liebend gerne Fotos dort mache.“

„Oh, das ist.. nun ja.. aber der kostenlose Besuch im Von-der-Haydt-Museum mit persönlicher Führung ist bestimmt genau das Richtige für Sie!“

Manfred knirscht mit den Zähnen und wird vor Ärger puterrot im Gesicht.

„Eine Führung im Museum? Soll ich mich selber dort herumführen? Das ist schließlich mein Job, den ich seit mittlerweile 5 Jahren ausübe! Haben Sie vielleicht auch noch eine freie Fahrt mit der Schwebebahn im Angebot? Die benutze ich jede zweite Woche um zur Arbeit zu kommen, da ich mir mein Auto mit meiner Frau teile.“

Der Moderator stottert ein wenig und murmelt etwas davon, dass das tatsächlich auch noch zum Gewinn gehört. Manfred stöhnt verärgert auf. Ein weiteres Mal nimmt der Moderator das Gespräch auf.

„Aber das gemütlich Dinner im Restaurant 4-Jahreszeiten im Wert von 120 Euro können Sie doch annehmen.“

„Danke, aber das Restaurant gehört meiner Schwester, und ich esse dort regelmäßig. Es ist ja wie verhext. Wissen Sie was? Vergessen Sie, dass ich angerufen habe und vergeben Sie den Gewinn anderweitig. Auf Wiederhören.“

Manfred unterbricht die Handyverbindung und beobachtet frustriert und enttäuscht die vor ihm wartenden Autos. Sein erster Gewinn war eine riesengroße Pleite.

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