Urlaubsbeginn mit Hindernissen

©Sabine Kubitza

Endlich ist es soweit. Der große Sommerurlaub, das bedeutet zwei Wochen Nordsee, steht vor der Tür und ich darf endlich die Koffer packen. In den letzten Tagen habe ich immer wieder überlegt, was alles mitgenommen werden muss, habe mir Notizzettel und Einkaufslisten geschrieben, damit auch ja nichts vergessen wird. Jetzt fragen Sie sich bestimmt, warum ich so ein Aufheben von dieser Sache mache. Tja, ich bin ein sehr unsicherer Mensch, der immer Angst hat etwas zu vergessen oder falsch zu machen. Da sind zwei Wochen außerhalb der normalen Routine eine wilde Angelegenheit, die erst einmal bewältigt werden muss. Außerdem ist es der erste Urlaub mit Mann und Kind. Unsere Tochter ist noch keine zwei Jahre alt, trägt Windeln und verlangt jeden Morgen und jeden Abend ihr Milchfläschen. Das ist schon etwas anderes als mal eben für den Partner und sich selbst ein paar Klamotten einzupacken. Wir möchten schließlich nur Spielzeug für den Strand und den geliebten Teddy mitnehmen. Aber unsere Vicky möchte alles dabei haben und wird mit Sicherheit ein Riesengeschrei machen, wenn das eine oder andere Buch nicht mit in den Urlaub fährt.
Also hole ich unseren großen Koffer vom Speicher, entstaube ihn kräftig und lege ihn auf den Boden. Ich stehe davor und überlege, dass ich vielleicht doch erst die Tasche für Vicky packen sollte. Also, Koffer wieder zu und in die Ecke gestellt. Im Kinderzimmer nehme ich dann die große Reisetasche und fange an sämtliche Kleidungsstücke hineinzupacken. Als ich bei den Schwimmwindeln anlange, fällt mir siedend heiß ein, dass wir gar keine Schwimmflügel haben. Schnell rufe ich meine Freundin an und frage sie, ob ich mir die ihrer Kinder leihen kann. Bingo, das heißt schnell meine Tochter packen, ins Auto verfrachten und ab zum Schwimmflügel holen. Als ich bei meiner Freundin ankomme, sagt sie mir schon an der Tür, dass sie nur noch einen Schwimmring gefunden hat und die Flügel bei ihrer Mutter sind. Ich bräuchte sie mir nur abholen. Na prima, also wieder Tochter ins Auto und weiter. Das fängt ja prima an. Nach gut einer Stunde halte ich endlich die ersehnten Dinge in der Hand. Vicky ist ganz begeistert von den grellbunten Flügeln und spielt erst einmal damit. Hoffentlich ist sie auch noch genauso begeistert, wenn wir sie anziehen. Aber das ist etwas womit wir uns vor Ort befassen werden.
Wieder zu Hause mache ich mich daran die Reisetasche fertig zu packen um danach in Ruhe den Koffer für meinen Mann und mich zu bestücken. Endlich lege ich den Koffer wieder auf den Boden und möchte gerade die ersten T-Shirts einpacken, als Vicky in der Tür steht und auf ihren Mund zeigt. Himmel, ich habe ihr Essen total vergessen.
Schnell gehe ich in die Küche und hole einen Joghurt aus dem Kühlschrank, der mit Heißhunger verspeist wird. Erleichtert atme ich auf, lege meine Tochter zum Mittagsschlaf ins Bettchen und begebe mich wieder an die Arbeit. Zügig habe ich den Koffer voll und bemerke, als ich ihn schließen möchte, dass es nicht funktioniert. Das darf doch nicht wahr sein, der Verschluss ist kaputt. Also alles wieder auspacken, den anderen Koffer vom Speicher holen, entstauben und die gleiche Prozedur noch einmal. Der Urlaub hat noch nicht ganz angefangen und ich bin völlig gestresst.
Müde lass ich mich auf die Couch fallen, lege die Beine hoch und schließe meine Augen. Ich höre die Wohnungstür und freue mich auf meinen Mann. Er hat extra eher Feierabend gemacht, weil wir morgen ganz früh los fahren wollen. „Hallo Kleines, du lässt es dir ja gut gehen.“ Grinsend kommt er auf mich zu, gibt mir einen feuchten Schmatzer und setzt sich neben mich. Na prima, das hat mir noch gefehlt. Da ruhe ich mich nach meinem stressigen Morgen kurz aus und schon ‚lasse ich es mir gut gehen‘, als wenn ich den ganzen Tag nichts zu tun gehabt hätte. Aber so ist es halt mit den Männern. Sie kommen immer im falschen Moment nach Hause. Ich frage meinen Mann nach seinem Arbeitstag und erzähle ihm von dem kaputten Koffer. Außerdem beichte ich ihm, dass ich noch kein Essen vorbereitet habe und er sich somit etwas aussuchen darf.Natürlich wünscht er sich sein Leibgericht: Nudelpfanne. Gesagt, getan. Er darf Vicky wecken und mit ihr spielen, während ich unser Menü zubereite. Nun geht der hektische Tag vor der Urlaubsreise doch noch gut zu Ende und die Ferien können beginnen.

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